Wieder zurück in der Schweiz folgt hier noch ein kleiner Bericht mit vielen Fotos zu meinen letzten zwei Wochen in Mexiko, in denen ich mich auf bekannte Spurten begab und gleichzeitig Neues entdeckte.
Von Guatemala-Stadt flog ich direkt nach Cancún, da ich mich in meinen letzten Tagen in Mexiko mit Freude als Guide für einen Mexiko-Neuling betätigte. Zuerst sieben Tage auf der Halbinsel Yucatán und dann noch einige Tage in Mexiko-Stadt.
Unangenehm fand ich die Ankunft in Cancún, wobei mir wieder bewusst wurde, dass Cancún a) nicht Mexiko ist und b) ein sehr mühsamer Flughafen für die Ankunft: Muss man bei der Einreise nach Mexiko meistens nur seine Absicht (Urlaub, Arbeit) mitteilen und sein erstes Hotel nennen (ohne dies jedoch irgendwie schriftlich bestätigen zu müssen), behandelte mich der Polizist in Cancún wie eine Schwerverbrecherin. Ich musste ihm jede Hotelreservation für die nächsten Tage schriftlich zeigen und ihm auch die Flugbestätigung von Mérida nach Mexiko-Stadt in sieben Tagen vorweisen. Danach fragte er mich, wie viel Bargeld ich besässe und dann auf eine sehr dreiste Art, wie viel Geld ich auf meinem Bankkonto habe. Als ich zögerte und fragte, wieso ich ihm das sagen müsse, erklärte er mir abweisend, dass es bestimmte Requisiten gäbe, ohne die eine Einreise nach Mexiko nicht möglich sei (und es sei ihm egal, dass ich vor 3 Wochen schon in Mexiko einreisen durfte; "Heute ist heute."). Nachdem ich ihm etwas nervös eine falsche Kontoangabe machte - und froh war, dass ich zumindest das nicht schriftlich bestätigen musste - durfte ich einreisen. Im Nachhinein zeigten sich hier auch meine mexikanischen Freunde empört und meinten zu Recht: Meinen Kontostand ginge diesen Menschen nichts an. Naja, einatmen, ausatmen...
Valladolid und Río Lagartos
Nach einem kurzen Aufenthalt in Cancún, welches glücklicherweise nur zu Anreise diente, machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Valladolid, welches ich 2023 bereits besuchte. An einem Tag besuchten wir die Maya-Stadt Chichén Itzá, welches mir ebenfalls von meiner Reise von 2023 bekannt war. Ebenfalls machten wir einen Abstecher in die Cenote (Wasserloch) Ik Kil, in der wir ein erfrischendes Bad nehmen konnten.
Am Tag darauf dachte ich mir jedoch ein Programm aus, welches mir ebenfalls neu und übrigens ein absoluter Volltreffer war. Mit dem Collectivo reisten wir bequem (und sehr günstig) nach Tizimín und von dort noch einem kurzen Aufenthalt weiter nach Río Lagartos. In Tizimín hatten wir die Möglichkeit, kurz durch den örtlichen Markt zu schlendern.
In Río Lagartos angekommen schlug uns eine angenehme Meeresbrise entgegen. Nach einem absolut fabulösen Mittagessen (wir genossen einige Salbutes, traditionell yukatekisch) gab es das erste Highlight; ein waschechter Kolibri flog in einem Baum von Blüte zu Blüte! Nach diesem ersten Herzensmoment schlenderten wir am Ufer des Ozeans entlang (Río Lagartos befindet sich in einer Art Meeresbucht und liegt somit nicht am offenen Meer) und suchten uns einen sympathischen Tourguide, der uns mit dem Boot auf eine Tour durch die Mangroven - so heissen salztolerante Bäume und Sträucher in tropischen Küsten und Flussdeltas - mitnahm. Es war fantastisch! Rechts und links reine Natur, hier und da ein Vogel der Region und sogar das ein oder andere Krokodil kamen wir zu Gesicht.
Mérida
Nach Valladolid zogen wir weiter nach Mérida, wo wir glücklicherweise an einem Sonntag ankamen und gleich in den Genuss eines traditionellen Tanzspektakels kamen.
Am Folgetag mieteten wir ein Auto und besuchten somit eigenständig und bequem die Ruinenstadt Uxmal (auf Maya eigentlich "Ox ma'al", also /oschma al/ ausgesprochen; dt. "Drei Mal gebaut") und danach noch die ehemalige Militärstation Kabah. Mehr Infos hierzu findet ihr in den von mir verlinkten Blogs von 2023. Da wir mit dem eigenen Auto unterwegs waren, konnten wir zum Mittagessen spontan in ein kleines Dörfchen auf dem Weg fahren, um dort etwas zu essen. In einem sehr provisorisch wirkenden Restaurant, welches aber über eine Google-Bewertung verfügte, gönnten wir uns einige traditionelle Panuchos. Panuchos sind übrigens sehr ähnlich wie Salbutes. Der einzige Unterschied ist, dass bei den Panuchos der Tortilla jeweils mit Bohnensauce gefüllt wird, bevor dieser dann frittiert wird.
Geliebtes Mexiko-Stadt
Die letzten Tage meiner sechswöchigen Mexiko-Guatemala-Reise verweilte ich in Mexiko-Stadt. Hier war es spannend, die Stadt zu zweit zu erkunden und erneut zu merken, wie viel in Mexiko für mich bereits normal ist, während es anderen Schweizern besonders auffällt. Eine grosse Entdeckung für mich war das Alambre; ein Gericht, bei welchem man ein Fleischgericht für die Tischmitte bestellt, und sich dann selbst Tacos macht. Als Besteck fungieren hier - für Schweizer ungewohnt - die Tortillas. Zupacken ist also angesagt.
Die Wortherkunft von Alambre konnte ich leider nicht rausfinden. Ich vermute aber, dass es
- aufgrund des al- entweder als Gesamtwort aus dem Arabischen kommt und somit während der arabischen Besetzung der Iberischen Halbinsel ins Spanische übertragen wurde,
- oder, dass es eine Zusammensetzung aus der Präposition al (dt. ca. 'zu') und dem Substantiv hambre (dt. 'Hunger') darstellt. Die wortwörtliche Übersetzung wäre demnach 'Zum Hunger
Nebst vielem gutem Essen war aber natürlich auch das alltägliche Leben, das Entdecken des Zócalos oder des Quartiers Coyoacán und der Besuch des anthropologischen Museums auf dem "Speiseplan" meiner Mexiko-Stadt-Tour für neue Besucher. Auch besuchten wir einen Fussballmatch, diesmal aber von den Frauen. Der Match zwischen América und den Pumas (das Team der Universidad Nacional Autónoma de México) war äusserst spannend und die Stimmung unter den 7'000 Besuchern war heiter und ausgelassen.
Ebenfalls nicht in meiner Tour fehlen durfte die Bekanntmachung mit meinem Lieblingsmexikaner Raúl. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, was natürlich auch daran lag, dass die beiden von mir jeweils schon viele Geschichten über den anderen gehört hatten, weswegen sie das Gefühl hatten, sie würden sich bereits seit ewiger Zeit kennen. Trotzdem schön, wenn sich Menschen treffen und sofort harmonieren. :-) Gemeinsam besuchten wir übrigens dann auch eine kleine Tanzshow mit traditionellen Tänzen aus Veracruz.
Nach fünf Wochen Mexiko und einer Woche Guatemala bin ich nun wieder in der Schweiz angekommen und fühle mich hier mehr wie die Touristin als noch vor ein paar Tagen in Mexiko. Noch nie ist mir die Heimreise derart schwergefallen und aufgrund einer ungewohnten Spontanität meinerseits bin ich sogar erst fünf Tage später nach Hause gereist als ursprünglich geplant. Mexiko hat erneut mein Herz erobert und die Zeit als "Guide" hat mir gezeigt, dass das nicht nur mir so geht. Mexiko lebt, liebt und begeistert. Mexiko ist Menschen, die freundlich und genügsam sind. So trafen wir in Valladolid den Buschauffeur Ernesto, der uns glücklich erzählte, dass er, wenn er wiedergeboren werden würde, wieder Buschauffeur sein will. Mexiko ist Chile y Limón (dt. 'Chili und Limette'), wobei hier nicht selten Witze daraus entstehen (z.B. als in Río Lagartos das Krokodil den ihm angebotenen Fisch nicht essen wollte, und ich sagte, dass man vielleicht noch Chile und Limon beigeben müsse). Mexiko ist einzigartig und ich habe mich in den sechs Wochen so daran gewöhnt, dort zu sein, dass ich mich bei meiner Ankunft in der Schweiz fast so gefühlt habe, als würde ich ein neues Land entdecken. Wo sind all die Tacostände? Weswegen gibt es keine Limetten im Coop? Und wieso ist es hier überall so ruhig?
Die Heimreise von Mexiko schmerzt und zeigt mir, wie sehr ich das Land am anderen Ufer liebe. Mexiko ist nicht perfekt und will es aber auch nicht sein. Die Mexikaner sind sich dessen bewusst und sehen zum Beispiel die Schweiz als das perfekte Land an, was teilweise auch etwas utopische Züge annimmt. So waren mehrere Mexikaner zum Beispiel überrascht, dass es auch in der Schweiz Liebesdramen gibt, bei denen sich bspw. Menschen gegenseitig belügen und betrügen (dieses Thema scheint die Mexikaner besonders zu interessieren, da es immer eine der ersten Fragen war, die einem gestellt wurden). Mexikaner hören ohne Scham Mariachi-Musik, während die Schweizer nur selten und oft nur Geheim traditionelle Schweizer Musik hören. Mexikaner lieben ihr essen und es erfüllt sie mit absoluter Freude, wenn man Dinge probieren will, wenn man lieber Mais- als Weizentortillas ist und vor allem, wenn man die scharfe Sauce sucht. Und sie finden es übrigens überaus lustig, wenn die Sauce dann zu scharf ist (mex. "enchilarse", dt. ca. 'etwas ist zu scharf, dass man es nicht mehr erträgt'. Mexikaner, wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden.❤️

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