Dienstag, 6. Januar 2026

Überraschendes Guadalajara

Nach den überfüllten und vor allem von Touristen belaufenen Strassen von Sayulita, stellte das Ankommen in Guadalajara einen starken aber willkommenen Kontrast dar.
Mit der Metro kam man gemütlich und für nur 10 Pesos (ca. CHF 0.50) direkt vom Busterminal in die Innenstadt Guadalajaras. Da viele noch bis zum 4. Januar in den Ferien waren, war die Stadt ruhiger als sonst. Alain und ich waren zu Beginn fast etwas verwirrt, weil wir an einem Freitag Nachmittag/Abend nirgends Menschen sahen und alles geschlossen war. Der Gang ins Zentrum beruhigte uns dann aber ein wenig: Im ‘Mercado Corona‘ tummelten sich schnabulierende Mexikaner, welche sich an den Ständen mit Essen vergnügten. Wie es sich für Touristen auf der Suche nach dem “echten Mexiko“ gehört, integrierten wir uns situationsgerecht und bestellten an einem der Stände eine ‘Torta Ahogada‘ - eine „ertrinkende Torte“. Hier muss man wissen, dass ‘Torta‘ in Mexiko keineswegs eine Torte im schweizerischen Sinne ist, sondern tatsächlich meist ein mutschliähnliches Brot, welches mit Sachen gefüllt wird. Und im Falle der „Torta Ahogada“ war die Torta im Tomatensauce getränkt. Die Torta Ahogada gehört zu den zwei Spzialitäten Guadalajaras und wird oft als Frühstück vertilgt. Mir war sie etwas geschmacklos, Alain fand sie super. Die andere Spezialität - “Carne en su jugo“ (dt. ‘Fleisch in seinem Saft‘) - führten wir uns nach einem Spaziergang durch die Stadt zum Abendessen zu gemüte. In einem lokalen Restaurant genossen wir die sehr feine Spezialität und stossten auf den letzten Abend vor Alains Rückkehr nach Mexiko-Stadt an.














Der nächste Tag ging ich eher gemütlich an. Ein Flanieren durch die Stadt und der Besuch des „Mercado Alcalde“, ein gutes Kaffe und etwas lesen, ein kurzer Besuch in einem Fitnesszenter. Der zweite und letzte Tag startete ich nach einem kurzen Frühstück mit dem zufälligen Besuchs eines weiteren Marktes, dem “Tianguis Capilla de Jesús“. Ich war jedoch so offensichtlich die Ausländerin, dass ich mich bei all den neugierigen oder verwunderten Blicken etwas unwohl fühlte, und deswegen schneller als geplant meinen Weg zum Ausgang suchte. Auf dem Weg zum “Museum von Guadelajara“ machte ich in einer Tortillería Halt und durfte ein Video aufnehmen, wie die Señora Tortillas machte. Sie verkauft übrigens rund 80 bis 100 Kilo pro Tag! Ein Tortilla gab sie mir dann frisch gemacht zum probieren; mir etwas Salz richtig lecker!



Der Besuch im Museum von Guadalajara war nicht sehr aufschlussreich, aufgrund des freien Eintritts aber auch absolut in Ordnung. Historisch (das meiste auf der Internetseite des Staats Guadalajara nachgelesen) war für mich vor allem spannend, dass die Spanier 1522 mit der Eroberung Guadalajaras begannen. Der Name “Guadalajara“ (arab. für ‘Fluss, der zwischen Steinen fliesst‘) wurde der Stadt erst ca. 1530 durch Nuño Beltrán de Guzmán verliehen. Davor war der Ort, an dem Guadalajara heute steht, nicht bewohnt. Nur die Umgebung des Atemajac Tals war bewohnt; so gab es zum Beispiel die Dörfer Zapopan, Zoquipan, Tetlán und Coyula. Der Name Guadalajara gründet darin, dass Nuño Beltrán de Guzmán in der Stadt Guadalajara in Spanien geboren wurde. Während der spanischen Kontrolle war Guadalajara eine eher kleine Stadt, die mehrheitlich zur Durchreise - gerade von Händlern - gebraucht wurde. 1618 wurde die Universität von Guadalajara gegründet und im 18. Jahrhundert zeichnete sich die Stadt durch eine hohe Lebensqualität aufgrund von florierender Industrie, der Minenarbeit und der Landwirtschaft aus. Am Ende der spanischen Herrschaft, respektive der Zeit von Neuspanien, gehörte Guadalajara zu den wichtigsten Städten des Reichs Neuspanien. Nach der Unabhängigkeit Spaniens verlegte der Präsident Benito Juárez seinen Regierungssitz 1858 nach Guadalajara, um den Kämpfen zwischen Liberalen und Konservativen zu entgehen. Die heutige Altstadt Guadalajaras wurde vor allem auch durch den Präsidenten Porfírio Díaz geprägt, während wessen Präsidentschaft die Stadt wirtschaftlich aufblühte und Spitäler, Schulen, Tramspuren o.Ä. gebaut wurden. 







Am Nachmittag machte ich mich auf nach Tlaquepaque. Das sehr melodisch klingende Quartier liegt im Süden und ist mit der Metro in Richtung Busterminal bequem in einer halben Stunde erreichbar. Nach Ankunft gönnte ich mir mit Tacos Dorados ein feines Mittagessen, bevor ich mich dem Treiben im Quartier hingab. Tlaquepaque ist ein Quartier, in das sich nur wenige Touristen verirren. Da Sonntag Nachmittag war, waren die Strassen voll mit Mexikanern, die sich Snacks gönnten, den Kunsthandwerksmarkt besuchten oder sonst etwas ziellos durch die Strassen bummelten. Viel gibt es hier nicht zu erzählen ausser, dass ich es extrem genoss, mich dem Treiben hinzugeben.













Zusammengefasst hat mir Guadalajara sehr gut gefallen! Die tiefen farbigen Häuser erinnerten mich etwas an Mérida in Yucatán, was ein wenig das Ambiente von Ferien und Strand vermittelten. Die Menschen hier sind etwas grösser als im Süden Mexikos und es gab tatsächlich einige sehr gut aussehende Menschen. Ein Höhepunkt war sicherlich das Vorbeiziehen des “Brotwägelis“, dessen Lied “El panadero con el pan“ (dt. „Der Brotmann mit dem Brot“) ich vor ein paar Wochen im Internet entdeckt hatte.

Nach Guadalajara geht es für mich weiter nach Morelia im Bundesstaat Michoacán, welches mit dem Bus in rund vier Stunden zu erreichen ist.

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