Nach einem der ersten eher unangenehmen Zwischenfälle in meinem geliebten Mexiko, ging es für ein paar Tage zurück nach Mexiko-Stadt. Ein Kurzaufenthalt im Zeichen des Sports, der Kultur, des Essens und der tollen Begegnungen.
Beginnen wir mit dem unangenehmen Zwischenfall: Von Morelia aus wollte ich mit dem Bus von Primera Plus in fünf Stunden nach Mexiko-Stadt fahren. Das Vorhaben hab ich auch in die Tat umgesetzt, jedoch war es emotional etwas aufbrausender als gewollt. Wie bereits in mehreren Fahrten davor hatte ich auch für diese Fahrt ein Ticket mit Studentenrabatt gekauft. Bisher hatte das problemlos funktioniert, weswegen ich mir keine Gedanken über andere Ausgänge gemacht hatte. Als Primera Plus ultra knapp vor Abfahrt (10 Minuten ... was niemals zu einer pünktlichen Abfahrt reicht), zeigte ich der Dame am Pult mein Ticket. In Mexiko ist es so, dass man bei Busbahnhöfen, ähnlich wie am Flughafen, von der Eingangshalle nur mit einem gültigen Billet in den Wartesaal kommt. Bei dieser Schleuse hatte ein Beamter mein Ticket kontrolliert und mir ein freundliches "Adelante. Que le vaya bien" (dt. 'Gehen sie vor. Auf das es Ihnen gut ergeht.') mit auf Weg. Wenn man dann vom Wartesaal zu den Bussen geht, ist es üblich, dass vor jedem Bus ein kleines Pult steht, bei dem teilweise nochmals das Ticket angeschaut wird - teilweise auch nicht. Bei diesem Pult standen wir alle kurz vor Abfahrt an und das Ganze erschien mir bereits etwas unkoordiniert. Als ich dann der Dame an diesem Pult mein Ticket inkl. Studentenausweis zeigte, sah ich bereits, dass sie mit den deutschen Buchstaben (logischerweise) nichts anfangen konnte. Die Dame schien auf mich überfordert und nach einem kurzen Zögern warf sie mir ein schnippisches "Der Studentenrabatt gilt nicht für Ausländer" zu. Eine andere Dame geleitete mich zurück in die Eingangshalle, wo mir forsch befohlen wurde, den Aufpreis für das normale Ticket zu bezahlen. Ich erklärte, dass ich in den letzten Wochen bereits mehrmals und auch mit derselben Busgesellschaft mit Studentenrabatt gefahren bin und es nie ein Problem war. Abermals erhielt ich ein forsches "Gilt nicht für Ausländer". Dann fragte ich, ob sie mir zeigen könnten, wo denn diese Regel stehe. Denn online gab es keinen Hinweis beim Ticketkauf. Die Damen waren wohl etwas überrascht, dass eine "Ausländerin" so gut Spanisch konnte und drauf und dran war, mit ihnen zu diskutieren. Nach ein paar forschen und abwimmelnden Antworten gaben sie mir ein Papier in die Hand, auf dem laut ihnen diese Regel stehen sollte. Ich las das Papier durch, konnte aber keine Ausländer-Klausel entdecken. Als ich nachfragte, zeigte die Dame auf die folgendermassen lautende Regel: "Der Rabatt gilt nicht für Lehrpersonen oder Doktoranden." Ich war weder Lehrperson, noch brauchte ich den Studentenausweis meines Doktoratsstudiums und die Regel der "Ausländer" war hier ebenfalls nicht inbegriffen. Ich fragte nochmals nach und erhielt dann von der einen Dame ein "Es ist einfach so" und von der anderen ein "Du musst jetzt aber bezahlen sonst darfst du nicht fahren." Nicht ganz sicher, ob ich nun ab der Absurdität lachen oder mich aufregen soll, bezahlte ich um 13:28 das Ticket, um dann um 13:30 mit dem Bus fahren zu können. Wir fuhren schlussendlich um 13:50 und ich brauchte eine Weile, bis ich mich beruhigt hatte.
In Mexiko-Stadt angekommen wollte ich mich bei der Busgesellschaft beschweren. Die Dame am Ticketschalter klärte mich darüber auf, dass nur Studentenausweise, die von einem Bildungsinstitut in Mexiko anerkannt waren, Anrecht auf die Rabatte hatten. Auch wenn sie mir nicht erklären konnte, inwiefern sie sagen konnte, dass mein Ausweis nicht von denen berechtigt war, so war dies eine Erklärung, die rein gar nichts mit dem Ausländer-Sein zu tun hatte - das war meiner Meinung nach reine Diskrimination in Puncto "die können den Preis ja eh bezahlen". Die Dame schickte mich dann weiter zum Büro für Anfragen von Kunden, damit ich mein Anliegen dort deponieren konnte. Als ich dort ankam und das Schild "Geschlossen. Bin um 9:00 Uhr zurück" (es war 19 Uhr Abends), lachte ich in mich hinein und entschied, das Ganze fallen zu lassen. Wenn man Beschwerden aus dem Weg gehen will, war das eine perfekte Strategie... Jänu.
Zurück zu den fröhlichen Dingen
Meine vier Tage in Mexiko-Stadt waren sehr toll und hatten auf dem Spektrum von Aufregung bis Entspannung alles dabei. Nach meiner Ankunft am Samstag bin ich am Sonntag mit zwei Kollegen einen Fussballmatch der mexikanischen Liga schauen gegangen. Im Olympiastadion von 1968 spielte die Mannschaft der Universidad Nacional Autónoma de México, die Pumas, gegen Querétaro. Während das Spiel an sich nicht wahnsinnig spannend und ich der Meinung war, dass die Qualität der Spieler einiges unter Super League-Niveau war, so fand ich das Geschehen auf den Reihen einiges unterhaltsamer. Entgegen der Schweiz laufen vor und während dem Match Verkäufer mit Essen und Getränken durch die Ränge. Es gibt Popcorn, Chips, Tortas, Gummibärchen, Bier und vieles mehr; der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und ich fand es wirklich amüsant, was da so verkauft wurde.
Die Stimmung war gemütlich-ausgelassen und abgesehen von den herumfliegenden (gefüllten) Bierbecher bei einem Goal der Pumas hatte ich meinen Spass. Vor allem genaue Hinhören brachte mich mehrmals zum Schmunzeln. Die Mexikaner waren hier den Schweizern gar nicht so unterschiedlich, da die geklopften Sprüche von der Art und Weise derjenigen in der Schweiz dieselben waren. Natürlich auf Spanisch, was dem ganzen natürlich einen anderen Effekt gab. Immer wieder reckten alle (Puma-Fans) ihre Fäuste in die Höhe und schrieben: "Goya, goya! Cachún cachún ra ra! Cachún cachún ra ra! Goya! Universidad." Es ist ein Schlachtruf, der eine Kombination von verschiedenen Geschichten ist. "Goya" referiert meiner Recherche nach auf eine Zeit, als ein Student aus welchem Grund auch immer Unterstützung von einem Kino wollte. Irgendwann lief man durch die Strassen und rief "Goya" - was soweit ich weiss der Name des Kinos war. Ich glaube, dass das Vorhaben schlussendlich geklappt hat. Der zweite Teil kann ich etwas besser erklären: "Cachún cachún ra ra" referiert auf einen Satz, den man zeitweise geäussert hatte, wenn ein Mädchen einem Jungen für den Besuch des Kinos (im Sinne eines Dates) zusagte. Ich denke, dass dieser Ausdruck aber veraltet ist und nur für eine Zeit galt, denn meine beiden Kollegen Raúl und Alain kannten den Satz nicht.
Die Pumas spielten schlussendlich 1:1 gegen Querétaro, was für mich aber eher Nebensache war.
Gemütliche Zeiten
Die nächsten beiden Tage waren geprägt von einem gemütlichen Programm. Am Montag arbeitete ich am Morgen etwas an meiner Doktorarbeit, bevor ich mit Corina - bei der ich wohnte - ins Fitness ging. Am Abend traf ich mich mit Raúl und einigen Kolleginnen von ihm. Offenbar hatte er auf der Arbeit des Öfteren von mir erzählt, weswegen Danis, Saris und María mich unbedingt kennenlernen wollten. Wir sprachen über die Unterschiede zwischen der Schweiz und Mexiko, bisher gemachte Reisen und zukünftige Pläne.
Am Dienstagmorgen widmete ich mich nochmals meiner Doktorarbeit, bevor ich mich nach den Mittag ins Quartier Polanco im Norden der Stadt begab. Es ist ein Quartier, dass sehr stark von der Gentrifizierung betroffen ist und wo vor allem sehr reiche (mehrheitlich Ausländer) Menschen wohnen. Beim Spaziergang durch die Strassen hört man deswegen auch übermässig viel Englisch, weswegen mir das Quartier nicht ganz so gefällt - es ist mir zu wenig mexikanisch. Nichtsdestotrotz hat sich der Weg nach Polanco gelohnt, denn Raúl und ich besuchten zusammen eine Attraktion namens "Odisea México". Es ist eine teilweise interaktive Ausstellung über die verschiedenen Bundesstaaten Mexikos. Ich war absolut begeistert und lasse an dieser Stelle lieber die Bilder und Videos sprechen.
Nach eindrücklicher Odyssee und ohne uns wirklich verirrt zu haben, machten wir uns schleunigst auf den Weg zurück ins "wahre Mexiko". Und was gehört da natürlich dazu? Ein Besuch der Metro während der Stosszeit...
Nach überstandener Fahrt genossen wir in der Nähe des Palacios de Bellas Artes und des Zócalos in einem typischen mexikanischen Restaurant ein klassisches mexikanisches Essen. Ich gönnte mir eine Quesadilla mit Tinga de Pollo sowie eine Portion Tacos al Pastor ('Tinga' bezieht sich auf die Form, in der das Fleisch serviert wird und meint hier "zerkleinert" oder "zerrissen"). Raúl genoss ebenfalls eine Portion Tacos al Pastor und eine Huarache (Huaraches sind in Mexiko übrigens 'Sandalen'). Die Huarache war traditionellerweise sehr gross, weswegen wir sie dann genüsslich in Teamarbeit verspeisten.
Bezüglich Mexiko wird jetzt kurz eine Pause eingelegt, da es mich für die nächste Woche nach Guatemala verschlägt. Ich bin ultra gespannt, was in Guatemala auf mich wartet, da ich dieses Land noch überhaupt nicht kenne. In meiner Vorstellung ist es irgendwie wie Mexiko aber eben doch nicht ganz, weswegen ich äusserst gespannt bin, wie mir dieses Nachbarland Mexikos gefallen wird. Mein Entdeckerhunger ist jedenfalls noch nicht gestillt. ¡Hasta pronto!






















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen